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Büdnerei - Das Anwesen der kleinen Leute

Büdnerei

Meistens bestehend aus einem mit Schilf (Reet) gedeckten Haupthaus mit seinem typischen Kröpelwalmdach. Zum Haupthaus gehörte ein rechtwinklig stehender Anbau, der mit seinem Flügel den Wirtschaftshof abtrennte, sowie eine Vielzahl an Schuppen, die zur Lagerung des Brennholzes und der Fischerei- und Gartengeräte dienten.

Bis ins 18.Jahrhundert hinein lebten Mensch und Vieh noch unter einem Dach. Nach und nach wurde der Anbau für das Einstellen von Schwein und Kuh genutzt. Pferde durften laut Hausbrief des Lehns- oder Landesherren auf Büdnereien nicht gehalten werden. Die Wände des Katen wurden im Fachwerk erstellt und die darin befindlichen Freiräume mit Kiefernholzstaken versteift. Diese wurden dann mit in Lehm gewälztem Stroh umwunden und mit Lehm ausgestrichen.

Später, wenn genügend Geld erwirtschaftet wurde, mauerte man das Fachwerk mit Backsteinziegeln aus und verfugte es weiß.

Das Haus war von der Giebelseite aus zugänglich. Geradeaus ist die Küche über einen schmalen Flur zu erreichen. Links und rechts befindet sich dann jeweils die Stube mit Kammer für die alten und jungen Mitbewohner. In der Küche wurde gewohnt, und in der Kammer, die hinter der Stube lag, wurde geschlafen.

Das Essgeschirr stand auf einem Bord an der Wand. Küchenschränke gab es noch nicht. Die bis auf den Herd heruntergezogene Glocke ließ die Küche immer im Halbdunkel.

Das Obergeschoß diente zur Lagerung von Heu und Stroh für das Vieh.

Als der Fremdenverkehr Anfang der 50-iger Jahre dieses Jahrhunderts an Bedeutung gewann, wurden die Obergeschosse teilweise ausgebaut.

Im Jahr 1717 werden die ersten Kleingrundbesitzer in einem Visitationsprotokoll des Klosters zu Ribnitz erwähnt. Man nennt sie Büdnereien.

Auf dem Fischland-Darß gab es nur noch wenige Menschen. Um mehr Gerechtigkeit walten zu lassen, wurden viele der verlassenen Bauernhöfe in Büdnereien aufgeteilt. Das wenige schmale Land ließ auch keine Herrenhöfe zu. Aus einem Bauerngehöft wurden vier Büdnereien zu je 150 Quadratruten.

Im Vergleich zum Binnenland ist die hiesige Büdnerei eigentlich eine Häuslerei und die Bauernstellen im Lande mit 40 bis 50 Morgen Größe, die auch 2 Pferde halten durften, wären dann Büdnereien. In alten Hausbriefen, die von jedem Hausvater aufgestellt wurden, gilt als Bestimmung: "Einlieger dürfen nicht aufgenommen werden". So durfte kein Bauer oder Büdner gegen Mietzahlung jemanden beherbergen.

Diese Bestimmung wurde erst gegen Mitte des 18. Jahrhunderts (1860) aufgehoben. Der Nachteil hierbei war, dass wenig "frisches Blut" in diese Gegend kam und es demzufolge viele Familien mit gleichen Namen gab.

Zu jedem Bauernhof gehörten einige Büdnereien, die sich gegenseitig unterstützten. Der Bauer mit seinen Pferden und Ackergeräten bestellte des Bündners Felder. Dafür stellte der Büdner im Frühjahr eine Arbeitskraft. Meistens war es die Frau.

In der Gegend Fischland-Darß wurden die Büdnereien meistens von Frauen bewirtschaftet. Die Männer fischten, fuhren zur See oder waren auf dem Bau oder der Werft handwerklich tätig.

Die alten und vielerorts noch vorhandenen Hausbriefe weisen auch auf Pflichten der Büdner gegenüber der Kirche und den Lehns- oder Landesherren über die Höhe der zu zahlenden Steuern hin. Vier Büdnerstellen zahlten soviel wie ein Bauerngehöft. Dafür erhielten Sie die Zusage des Schutzes gegen Beeinträchtigungen durch Dritte.

Die besondere Eigenheit von Fischland-Darß und den Boddendörfen war es, dass der Büdner zwar Eigentümer seines Landes war, es aber nicht zu Teilen verkaufen oder vererben durfte. Sinn war es, die Familien vor Übervorteilung, Ausbeutung und Bodenspekulation zu schützen. Keinem Büdner konnte so Land abgeschwatzt werden, und es wurden keine Bauplätze ausgewiesen.

Wer sich also hier in der Gegend ansiedeln wollte, musste eine Büdnerei oder einen Hof im Ganzen erwerben. Damit erklärt sich auch, dass in dieser Gegend gegenüber anderen Landstrichen unverhältnismäßig viel Land zu einem Büdnereigrundstück gehörte und dass die Anwesen den Namen "Büdnerei" bis weit in unser 20. Jahrhundert führten.


21.09.2017, 12:16:40
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